Feschn: Kate Boss und wie sie die Modewelt sieht

21.3.2019

Offline zum Glück

„Warum soll ich überhaupt noch in ein Geschäft gehen?“ 

Es fing damit an, dass Menschen auf Shoppingtour plötzlich nicht mehr in den Spiegel schauten um abzuchecken, ob etwa das Dirndl, das sie gerade anprobiert haben, „was für sie tut“ oder nicht. Stattdessen machen sie mittlerweile ein Foto von sich (gerne auch via Spiegel), um dann die Wirkung des Outfits am Foto zu beurteilen. Klingt irre? Ist aber die Realität. The new Real Life sozusagen. Im Spiegel sehe ich mich selbst, am Foto sehe ich, wie mich die anderen sehen. Das muss die Erklärung sein. Sei dein eigenes Model sozusagen. Die Gefahr: Du stehst dir damit selbst im Weg.

Fotos:
Wie fühlt es sich an, wenn ich mein potenzielles neues Lieblings-Outfit anhabe? Reality-Check beim Anprobieren mit Looks von Trachtmacher, erhältlich ab Freitag 5. April 2019 bei SEIDL in Anger und Graz.
Foto: Fotowerk Lampelmayer

Die digitalen Werte haben uns anscheinend voll im Griff.

Alles funktioniert mittlerweile in Pixel statt persönlich: Dating, Essen bestellen oder Urlaub buchen, und Shoppen sowieso. Ist ja auch irrsinnig praktisch dank der unzähligen Filter-Möglichkeiten. Von der idealen Ärmellänge des Traum-Jäckchens bis zur exakten Zimmergröße der Junior Suite und den ehrlichen Körpermaßen des potenziellen Schwarms – alles abrufbar, aussortierbar, optimierbar. Was? Der Burger schaut nicht so aus wie auf dem Foto online? Schweinerei. Vielleicht schmeckt er aber dafür umso besser. Der Blumendruck auf dem Rock war am Foto aber blasser? Kann sein. So passt er nur extrem gut zu dem Shirt, das mir gleich gezeigt wird. Eine Vorstellung davon zu haben, was man will, ist freilich wunderbar. Die Frage ist nur, WAS man sich vorstellen sollte: Wie es ausschaut? Oder wie gut es einem tun soll? Merkwürdig nämlich, dass manchmal die genaue Vorstellung erfüllt wird und man sich trotzdem nicht glücklich oder wohl damit fühlt.

Foto:
Spiegel, Freunde und die vertrauenswürdige Verkaufsberaterin als Barometer für den erfolgreichen Einkauf des neuen Lieblingsstücks, hier bei „Die Lange Nacht der Heimat 2018“ in Anger, dem Kundenevent von SEIDL. Jetzt schon vormerken für die nächste Party-Einkaufsmöglichkeit: der Abend des 4. Oktober 2019!
Foto: Bernhard Bergmann

Vorbilder on Models sind immer eher Inspiration als ein Ideal. Jeder ist anders und ganz gleich wie auf der Foto-Vorlage wird es – sorry – niemals ausschauen. Ganz zu schweigen vom korrekten Sitz und dem Experten-Wissen über Pflege oder Trage-Varianten: Einkaufen kann mit einem Verkäufer des Vertrauens, ein bisschen gemeinsamer Zeit mit Freunden oder ganz für sich selbst und ein wenig Offenheit zum Aus- und Anprobieren ein wirklich erfüllendes Erlebnis sein. Die Stücke, die man ersteht, sind es nämlich definitiv nicht. Und ich liebe Gewand. Wirklich.

Aber was bleibt, sind die Erlebnisse, die man mit den Teilen verknüpft.

Wo man sie getragen hat und hoffentlich auch, wie es war, als man sie zum ersten Mal anprobiert, vielleicht drauf gespart und sich beim In-den-Kasten-Hängen gefreut hat. Der Moment in der Umkleidekabine, wenn das von der Verkäuferin empfohlene Stück entgegen der ersten Annahme wirklich gut passt, das Material sich an den Körper schmiegt und das eigene Strahlen von innen ehrlich nach außen dringt: In guter Gesellschaft ist Einkaufen nicht nur eine Erledigung oder Zeitvertreib, sondern macht sogar Sinn und Spaß. Es kann ein kleines Abenteuer sein (bei SEIDL inklusive Hausbier oder Almdudler) mit lustigen Begegnungen und neuen Entdeckungen und im besten Fall ein super Tag, den man für immer mit dem erstandenen Outfit mitträgt. Man muss sich nur drauf einlassen und ein bisschen vertrauen. Denn: Live is Life.

 

 

Illustration: ofatomsandlines

Stellen Sie Kate Boss Ihre Feschn-Frage:
kateboss@seidl-trachten.at

 

 

 

 

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