Was soll ich bloß anziehen? – Dresscodes.

Die Kolumne von SEIDL-Geschäftsführerin Katharina Götzl, Freundin des guten Geschmacks. Diesmal:

DRESSCODES

Ich kenne Leute, die Leute kennen, die ihre Hochzeitsgesellschaft am liebsten persönlich einkleiden würden, bevor sie den Fotografen das erste Bild knipsen lassen. Da hat man monatelang das Farbkonzept umgesetzt – von Einladungskarte bis Blumenkranz – und dann hat die Großcousine statt „Lavender Love“ ein rosa Kleid an? Unverzeihlich. Verstehen Sie mich nicht falsch – einem Anlass entsprechend gekleidet zu sein, halte ich nicht nur für höflich, sondern auch für ein Zeichen von Respekt und Kultiviertheit. Wenn dann (und davon wurde ich tatsächlich Zeuge) Jeans zu einer Hochzeit in einer Basilika getragen werden, empfinde ich das als Beleidigung der Gastgeber. Doch sollen schon Krawatten von Bräutigamen auf Teppichböden in Standesämtern abgestimmt worden sein (…), womit das Ausmaß des Durchstyle-Wahns bei Hochzeiten zu erkennen wäre. Alles für das schönste Foto.

Kleidervorschriften sind so alt wie die Mode selbst. Sie hatten mit dem sozialen Status zu tun, untersagten gewissen Bevölkerungsgruppen das Tragen besonderer Stoffe oder Frisuren – meist stillschweigend. Die Befreiung aus diesen Konventionen war das große Ziel. Heute, wo im Westen jederzeit buchstäblich alle Arten von Kleidung erlaubt sind, scheinen Einschränkungen wieder attraktiv. Regeln machen jeden Event irgendwie besonderer, Dresscode-Schilder an Clubs wirken anziehend statt abschreckend, und die optische Gruppenbildung lässt komischerweise ausgelasseneres Feiern zu.
Besonders die Tracht gehört zu diesen Wunderwaffen, die den Party-Turbo bei Festgästen zündet. Auch wenn im Vorfeld der eine oder andere Modemuffel ablehnend seufzt, ist der Druck groß. Der Einzige ohne passendes Gewand zu sein war noch vor wenigen Jahren kein Drama, mittlerweile wirkt so ein Fauxpas wie ein scharlachroter Buchstabe auf der Stirn.

Wie heißt es so schön: Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt. Das gilt ganz besonders für Hochzeiten. Tun Sie dem Brautpaar – und sich selbst – einen Gefallen und halten Sie sich freudig an den Dresscode auf der Einladung. Vorgaben machen vieles einfacher und regen zu Kreativität an. Ich zum Beispiel überlege mir bei jeder Veranstaltung eine Interpretation, die das Tragen eines Dirndls zulässt. Funktioniert fast immer.

Diese Seite teilen